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Rauch auf der Autobahn - #4



Es war das letzte Konzert der Tour. 35 Jahre Fiddlers Green, das große Finale. Löwensaal in Nürnberg, mehr als 1000 Menschen im Publikum, Song Nummer 6 unseres Sets. „Hold On To“. Franz hatte gerade Heike Probst als Gastmusikerin auf die Bühne geholt und wollte mit dem Lied starten – als plötzlich die Crew von Fiddlers Green auftauchte und eine mobile Bar auf die Bühne rollte.

Wüstenberg & Fiddler's Green

Sichtlich irritiert versuchte Franz, dem nicht minder irritierten Publikum zu erklären, dass sich Bands traditionell beim letzten Auftritt einer Konzertreihe Tourstreiche spielen. Und wir durften jetzt dabei zusehen, wie wir gerade Opfer des Fiddlers-Tourstreichs wurden.


Denn dann betraten Fiddlers-Drummer Frank Jooss und Geiger Tobias Heindl die Bühne. In „Wüstenberg“-T-Shirts, mit grünen Sonnenbrillen – und sie „begleiteten“ unsere Ballade mit rhythmischen Bewegungen auf grünen Plastikbechern. Franz und Heike zogen den Song höchstprofessionell durch, dem Rest von uns gelang das nur mäßig. Fairerweise muss man sagen, dass sich für Franz und Heike alles im Rücken abspielte und wir anderen beste Sicht auf die Aktion hatten – und offen gestanden wurde die Konzentration der Band nicht besser, als Frank und Tobi anfingen, auf der Bühne Zitrusfrüchte klein zu schneiden und Shotgläser zu verteilen.





Jägermeister mit Limette. Fürchterlich.


Meistens, wenn ich in den letzten Wochen gefragt wurde, wie die Tour gewesen sei, war die Antwort ein knappes „War echt mega. Auch super anstrengend, aber hat total Spaß gemacht.“ Denn ganz ehrlich: Wie soll man in wenigen Sätzen zusammenfassen, was für ein Wahnsinn (in jeder Hinsicht) diese Tour gewesen ist? Neun Menschen in einem Van, irgendwas zwischen 7000 und 8000 Kilometern auf der Autobahn, durchzechte Nächte, Marathon-Wochenenden wie Memmingen/Köln/Hamburg oder München/Leipzig/Bremen. Konzert #13, bei dem wir zum ersten Akkord von ca. 100 „Wüstenberg“-Schildern in den ersten Reihen überrascht wurden (danke nochmal, Basti!). Und ein in Rauchschwaden eingenebeltes Auto, für das fünf Löschzüge der Feuerwehr auf der Autobahn anrücken mussten. Rest in Peace, Elli (2008-2025) – du warst ein toller Wagen.


Im Gegensatz zu meinen Smalltalk-Versuchen der letzten Wochen fasst das Musikvideo zu „Trading Manners for the Madness“ sehr gut zusammen, wie sich diese Tour angefühlt hat. Ein Wirbelsturm der Euphorie, eine Flut von Emotionen. Ein Publikum, das uns nie das Gefühl gegeben hat, „nur“ die Vorband zu sein. Menschen, die von Mitmusikern und Crewmitgliedern zu Familie geworden sind.


Ich kann es kaum erwarten, die Manners wieder für Madness einzutauschen.


Doch leider hält das Video auch einen Tourmoment fest, der schwer an meinem Gewissen nagt – wie ich das wohl weltweit beste Kölsch (wir sind übrigens offen für Endorsement-Deals, zwinkerzwinker) in Ermangelung standesgemäßer Kölschstangen in die Cola-Gläser einer Solinger Hotellobby einfülle.


Schrecklich.


Fast so schrecklich wie Jägermeister mit Limette. Aber nur fast.


Torben

 
 
 

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